Trinitatiskirche

Trinitatisfriedhof

 

Am 14. September 2008 fand erneut der Tag des offenen Denkmals statt. Für dieses Jahr hatte ich mir einen Besuch in der Ruine der Trinitatiskirche und am gegenüber liegenden Trinitatisfriedhof vorgenommen.

 

Die Trinitatiskirche gehört der Johanneskirchgemeinde in Dresden Johannstadt. Ein Förderverein kümmert sich um die bauliche Erhaltung der Ruine und um die Nutzung einiger Räume im Keller, die von Trümmern geräumt wurden. Der 65 Meter hohe Kirchturm wurde Instand gesetzt und die Räumlichkeiten der Jugend für Veranstaltungen und Treffen zur Verfügung gestellt. Im Kirchruinenschiff finden zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder am 13. Februar  unter freiem Himmel gut besuchte Gottesdienste statt.

 

Die im Neorenaissancestil erbaute Kirche wurde 1894 geweiht und in der Bombennacht vom 13. Februar 1945 zerstört. Ein Wiederaufbau ist derzeit nicht geplant. Architekt war Karl Barth.

 

 

 

 

Die Wände der Ruine sind aufwendig stabilisiert wurden. Im Bild ist die Abdeckung des Mauerwerkes mit Zinkblech gut zu erkennen.

 

 

 

 

 

Weil unsere Gruppe nur aus drei „Zuhörern“ bestand, hatten wir keine Mühe, unseren Führer zu einer Turmbesteigung zu überreden. Dafür waren wir ihm sehr dankbar. Eine noch original erhaltene eiserne Wendeltreppe führt bis hinauf zum Glockenstuhl. Der Glockenstuhl besteht aus einer Stahlkonstruktion, er ruht aber auf einem Holzunterbau zum Bedämpfen der Schwingungen, bevor diese vom Mauerwerk aufgenommen werden.

 

   

 

 

 

Der gegenüberliegende Trinitatisfriedhof existierte bereits vor dem Kirchenbau und wurde ihr Namensgeber.

 

 

 

 

Der Trinitatisfriedhof wurde 1814 in der Zeit der Napoleonischen Kriege durch den Hofbaumeister Gottlob Friedrich Thormeyer angelegt. Auf ihm sind sehr viele berühmte Dresdner Persönlichkeiten beerdigt.

 

Die Führung hat Frau Hesse, m.W. aus der Friedhofsverwaltung, durchgeführt. Es wurden sehr viele Informationen über die einzelnen Persönlichkeiten und deren Verbindungen zum damaligen öffentlichen Leben vermittelt und teilweise wurden auch architektonische Merkmale einzelner Grabstätten erklärt. Aus der Fülle dieser Informationen habe ich versucht, Notizen zu erstellen und hier in hoffentlich richtiger Weise festzuhalten.

 

1. Der Rundgang begann am Grab von Carl Gustav Carus.

 

 

 

Geboren am 03.01.1789 in Leipzig

Gestorben am 28.07.1869 in Dresden

 

Carus war Arzt, Maler, Naturphilosoph

 

1814 gründete er in Dresden – hinter dem Kurländer Palais – eine                             Hebammenschule, die er selbst leitete

1815 wurde er Professor für Geburtshilfe

1827 Leibarzt von König Anton (Sachsen)

1853 Leibarzt des sächsischen König Friedrich August II.

 

1954 ehrte die Stadt Dresden Carus durch die Verleihung seines Namens an die Medizinische Akademie Dresden.

 

2. Ernst Friedrich August Rietschel

 

 

 

 

Geb. 15.12.1804 in Pulsnitz

Gest. 21.01.1861 in Dresden

 

Rietschel zählt zu den bedeutenden Bildhauern Deutschlands.

 

Er pflegte eine enge Zusammenarbeit mit Gottfried Semper.

 

1832 wurde er als Professor für Bildhauerei an die Kunstakademie DD berufen.

1857 fertigte er das Goethe – Schiller – Denkmal in Weimar.

 

Weitere Skulpturen:   das Lessingdenkmal in Braunschweig

                                Friedrich August II, Schlossplatz DD

                                Heinrich Cotta, Tharandt

                                Carl-Maria von Weber in Dresden

 

Sein eigenes Denkmal steht auf der Brühlschen Terrasse, es ist von Johannes Schilling gefertigt.

 

3. Geheimrat Paul Gustav Leander Pfund

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pfunds Molkerei in der Bautzner Straße 79 wurde 1891 fertig gestellt.

Im Verkaufsraum sind auf Fliesen von Villeroy und Boch viele handgemalte Motive aus der Zunft seines Gewerbes zu bewundern. Die Anregungen für eben diese Gestaltung seines Ladens holte sich Pfund von einer Reise auf Madera. Hier fand er in Kirchen ähnliche Techniken vor.

 

4. Familiengrabstelle Oppenheim

 

 

    

 

    

 

 

Elisabeth Oppenheim war die Tochter des Bankiers Martin Wilhelm Oppenheim.  Verheiratet war sie mit dem Maler August Grahl.

 

Oppenheim pflegte enge Kontakte zu Gottfried Semper, der auch die Grabstelle schuf.

 

 

 

Der Bankier Oppenheim hat in der Bürgerstraße 5 – 7 das Palais Oppenheim durch Gottfried Semper errichten lassen. Dieses Haus war auch das erste Quartier für die von Carl Kaskel gegründete Dresdner Bank.

Nach 1945 wurde das Haus abgerissen.

 

 

 

Für Oppenheims Ehefrau  Rosa hat Semper eine Villa am Rosengarten errichtet. Heute erinnert noch eine Gedenktafel an die „Villa Rosa“, das Haus selbst ist abgerissen. Dieser Baustil wurde Vorbild für viele weitere Villen in Dresden.

 

 

5. Carl von Kaskel

 

 

 

Carl Kaskel hat das bisherige Bankhaus Kaskel im Jahre 1872 in eine Aktiengesellschaft, die Dresdner Bank, umgewandelt. Die Filiale befand sich im Palais Oppenheim in der Bürgerwiese 5 – 7.

 

 

6. Christoph Arnold  (1763 – 1847)

 

 

 

Christoph Arnold ist der Gründer der Arnoldschen Buchhandlung. Er war auch Eigentümer von Verlagen in Dresden und Leipzig.

 

Arnold hat Ludwig Richter durch die Finanzierung einer Ausbildung in Italien gefördert.

 

7. Caspar David Friedrich (1774 – 1840)

 

 

 

Eine vergleichsweise bescheidene Grabstelle ist für Caspar David Friedrich eingerichtet. Er war wohl charakterlich etwas ungewöhnlich und hat sich mit vielen Zeitgenossen nicht gut vertragen. Auch seinen langjährigen Freund Carus hat er am Ende seiner Lebenszeit nicht mehr an sich heran kommen lassen. Sein schwieriges Wesen war sicher auch ein Grund dafür, dass seine Bilder lange Zeit vergessen und aus Galerien entfernt wurden. 

 

 

8. Johannes August Wilhelm Hedenus (1760 – 1836)

 

 

 

1807 wurde Hedenus H 

HHeHedenus Leibarzt von König Anton.

 

Als eine seiner wichtigsten Leistungen gilt die erfolgreiche Schilddrüsenoperation im Jahre 1800. 

 

9. Familiengrabstelle  Struve

 

 

Struve wurde durch die Produktion des Mineralwassers bekannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10. Franz Jacob Wigard

 

 

Wigard war auf die Stenografie spezialisiert. Er war sogar Professor der Stenographie in Dresden.

Er gründete den ersten Dresdner Elbschwimmverein. Nach ihm ist die Wigardstraße benannt.

 

 

11.  Constantin Lipsius, Baurat, Professor (20.10.1832 – 11.04.1894)

 

 

 

 

 

 

Lipsius hat viele bedeutende Bauwerke in Dresden geschaffen. U.a. die Zitronenpresse und die Kunstakademie, den Goldenen Reiter und einige Villen in Blasewitz.

Nach ihm ist die Lipsiusstraße in Johannstadt benannt.

 

12. Karl Heinrich Nicolai (1842 – 1896)

 

 

 

Karl Heinrich Nicolai war der erste Pfarrer in der Trinitatiskirche.

 

 

13.  Dr. Clemens Alexander Winkler, Geheimer Rath und Professor

      (1838 – 1904)

 

 

 

 

 

Winkler war Direktor der Bergakademie Freiberg. Ihm wurde ein bisher unbekannter Kristallbrocken zur Analyse übergeben. Nachdem er zu 75% Silber im Kristall nachweisen konnte, blieb ein bisher undefinierter Rest übrig. Nach zweijähriger systematischer Analysearbeit fand er schließlich eine weiße Ausflockung – das Germanium. Nun war der noch freie Platz in der 4. Periode und IV. Gruppe  des Periodensystems der chemischen Elemente nach Mendelejew und Meyer endlich besetzt.

 

 

14.  Friedrich Wieck  (1785 – 1873)

 

 

 

 

 

Friedrich Wieck gilt als einer der bedeutendsten Musikpädagogen des angehenden 20. Jahrhunderts. Ab 1828 unterrichtete er Robert Schumann.

Wiecks Haus in Loschwitz  ( ist am Körnerplatz noch erhalten) war Treffpunkt der deutschen Musikelite.

 

 

15. Das erste Grab auf dem Gelände des Friedhofes wurde auf noch freiem Felde erstellt. Erst später erhielt Thormmeyer den Auftrag für die Planung des Friedhofes. Von der Friedhofsverwaltung wird dieses Grab  als Besonderheit eingestuft und gepflegt.