Der Innere Neustädter Friedhof

 

Ein aufmerksamer Spaziergang über Dresdner Friedhöfe  rückt viele längst verstorbene Persönlichkeiten ins Gedächtnis, die einst das gesellschaftliche Leben in unserer Stadt mit geprägt und entwickelt haben.

So habe ich es auch auf dem Inneren Neustädter Friedhof erfahren. Von einigen Grabstätten habe ich mir zuerst die Namen aufgeschrieben und anschließend aus verschiedenen Literaturquellen Näheres über diese Personen ermittelt. Bei dieser Arbeit fühlte ich mich wie ein Praktikant im Heimatkundeunterricht. Dabei entwickeln sich Ehrfurcht und Anerkennung gegenüber den Leistungen unserer Vorfahren.

 

 

Die Dreikönigskirche hatte ihren ursprünglichen Standort auf dem Neustädter Markt, etwa am Ort des Goldenen Reiters. Im Jahre 1732 wurde sie abgerissen und an ihrem jetzigen Standort in der Hauptstraße neu errichtet. Als Konsequenz aus diesen Abrissplänen musste auch der Friedhof verlegt werden. Das geschah 1731 – damals noch vor der Stadtbefestigung nach Plänen des Architekten Johann Georg Maximilian von Fürstenhof. Die erste Beisetzung auf dem neu angelegten Inneren Neustädter Friedhof fand am 31.01.1732 statt.

 

Der  Eingang zum Friedhof befindet sich in der Friedensstraße. Das Eckhaus beherbergt die Friedhofsverwaltung.

 

 

Das Gelände ist mit einer Mauer umfasst und grenzt an die Conradstraße, den Bischofsplatz und die Gleisanlagen der DB.

 

 

Der Friedhof wurde im laufe der Zeit dreimal erweitert, die Teilflächen werden dem Alter entsprechend aufsteigend als Land I, Land II und Land III bezeichnet.  

 

Mein Rundgang beginnt im ältesten Teil, dem

 

Land I:

 

Gegenüber dem Eingang steht die Kapelle, auch Gruft – und Leichenhalle genannt.

 

 

Über dem Portal ist eine Inschrift von Klopstock zu lesen:

 

 

 

 

Rechts neben dem Eingang können barocke Grufthäuser betrachtet werden, die jedoch leider langsam verfallen.

 

 

 

 

 

Christoph Ernst von Reitzenstein

 

 

 

 

 

Dieses Grabmal zählt zu den ältesten aus der Barockzeit. Es erinnert an die Schlacht bei Kesselsdorf, hier wurde Ernst v. Reitzenstein am 02.01.1746 tödlich verletzt. Der Grabstein ist stark verwittert. Eine bemerkenswerte Inschrift auf der Rückseite des Steines ist kaum noch zu entziffern.

„Was hilft Commando Stab, der Adel und der Orden? Der alles dieses trug, ist doch zu Asche geworden“

 

 

 

 

 

 

Wassili Armstrong (1817 – 1869)

 

Dieses Wandgrab mit der Darstellung eines Schiffes gilt als künstlerisch bedeutsam. Der Architekt ist nicht bekannt.

Armstrong war kaiserlicher – russischer Staatsrat.

 

 

 

 

Familiengruft Johann Gottfried Knöffler  (1715 – 1779)

 

Der Entwurf für diese Gruft stammt vom Bildhauer Knöffler selbst.

In dieser Gruft befindet sich auch die Grabstätte vom Bildhauer

Benjamin Thomae (1682 – 1751)

 

(Dieses Grufthaus ist im Winter verschlossen)

 

 

 

 

 

 

Das Land II (mittlerer Teil) wurde 1759 angelegt, weil etwa 400 gefallene preußische Soldaten nach Kampfhandlungen im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) zu  beerdigen waren.

 

  Elisa von der Recke (1754 – 1833) , Kirchenlieddichterin

    und

    Christoph August Tiedge (1752 – 1841), Dichter, relativ unbekannt

 

    E. Recke und C.A. Tiedge waren Lebensgefährten.

 

 

 

 

 

 

Gedenkstätte des Sächsischen Heimatschutzes und an seinen Begründer, Karl Schmidt (1853 – 1922)

 

 

 

 

 

 

 

 

Hans Ludwig von Oppell  (1800 – 1876)

 

 

 

 

 

Der Polizeidirektor Oppell kaufte 1836 Gelände hinter dem Bischofsplatz, welches er mit Wohngebäuden zu bebauen begann. Ein Baustopp wegen der Ausführung des Eisenbahnprojektes Dresden – Görlitz verzögerte die Besiedlung. Letztendlich entstand hier die Oppellsche Vorstand – heute eher als Hechtviertel bekannt.

 

August Friedrich Timaeus (1794 – 1875)  und

  

   Christoph Jordan (1791 – 1860)

 

 

Timaeus und Jordan gründeten 1823 in Dresden die älteste Schokoladenfabrik in Deutschland. Seit 1839 stellte das Unternehmen Jordan&Timaeus weltweit zuerst Milchschokolage industriell her. Das Fabrikgelände befand sich zwischen der heutigen Jordan- und Timaeusstraße, westlich von der Alaunstraße.

 

 

 

Das Grab von Jordan befindet sich an der Nordmauer und ist stark verwittert. Die Inschriften sind bis auf den Namen nicht mehr lesbar.

 

 

 

 

Land III

 

Das Familiengrab Heinrich Wilhelm Calberla (1774 – 1836)

 

Der Unternehmer Calberla gründete 1817 eine Zuckerfabrik auf dem Theaterplatz in Dresden. Ein Gebäude davon wurde später als Hotel Bellevue bekannt.

Calberla gilt auch als Initiator zur Einführung der Dampfschiffahrt auf der Oberelbe.

 

 

 

 

Im Familiengrab Calberla ist auch der Bildhauer Robert Dietz (1844 – 1922) beigesetzt. Er ist mir bekannt als der Architekt des Gänsediebbrunnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Johann und Bertha von Vieth – die Eltern des Schriftstellers Ludwig Renn

 

 

 

 

Max Neumeister (1849 – 1929)

 

Neumeister lehrte von 1880 – 1906 an der Forstakademie in Tharandt. In diese Zeit viel auch seine Funktion als Akademiedirektor (1894 – 1904). Von 1906 bis 1919 leitete er den Forstbezirk Dresden als Oberforstmeister. Im Tharandter Wald ist ein Wanderweg nach ihm benannt.

 

 

 

 

 

 

●● Der Dresdner Totentanz

 

Dieses Relief von Christoph Walter I ist eng mit dem Neustädter Friedhof verknüpft. Das Relief wurde etwa 1535 für das Schloss gefertigt. Es befand sich ursprünglich am Georgentor. August der Starke schenkte es der Dreikönigskirche und so kam es 1731 an die Nordmauer des Neustädter Friedhofes. Wegen starker Verwitterung wurde es aber 1975 wieder abgenommen und 1991 unter der Orgelempore der Dreikönigskirche angebracht.

 

 

 

 

  

 

Der Totentanz umfasst 27 Figuren, davon drei Darstellungen des Todes.