200 Jahre Forstwissenschaften in Tharandt

 

05.10.2011

 

Die Fakultät Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften der TU – Dresden veranstaltete in diesem Jahre aus Anlass des 200–jährigen Bestehens der Forstwissenschaftlichen Lehre in Tharandt eine Vielzahl von Vorträgen und Kolloquien. Ich habe aus einem Angebot der Seniorenakademie an einem Vortrag von Herrn Dr. Pietzarke im Rathaus von Tharandt teilgenommen. Diese Veranstaltung war für mich Anregung, aufmerksam durch Tharandt zu spazieren und nach Hinweisen auf die einstigen Persönlichkeiten zu suchen, die die forstliche Lehre hier im Jahre 1811 begonnen haben und die diese Akademie innerhalb von 100 Jahren zur weltweiten Anerkennung entwickelt haben.

Dabei kommt es mir weniger auf biografische Daten zu den einzelnen Persönlichkeiten an, sondern ich verweise auf Bezugpunkte in Tharandt und im Tharandter Wald, die an diese Wissenschaftler erinnern.

 

 

1. Heinrich Cotta  (1763 – 1844)                                      

Am 24. Mai 1811 eröffnet Cotta sein privates Forstlehrinstitut in Tharandt und lehrt selbst die forstlichen Fachdisziplinen. Er steht der Einrichtung bis zu seinem Tode im Jahre 1844 als Direktor vor.

  

 

 

In der Piennerstraße erinnert ein inzwischen saniertes Gebäude an die von Heinrich Cotta eingerichtete Forstvermessungsanstalt.

 

 

 

 

 

 

Den Namen Heinrich Cotta tragen auch ein Institutsgebäude sowie eine Straße in Tharandt.

 

 

 

 

Außerdem erinnern Büsten im Altbau und am Cottaplatz im Forstbotanischen Garten an den Begründer der  Königlich – Sächsischen -   Forstakademie.

 

 

 

 

Im Tharandter Wald, am Anfang des Mauerhammerweges,  ein Aussichtspunkt nach ihm benannt und auch seine Grabstelle kann hier besichtigt werden.

 

Das „Heinrichseck“:

 

 

 

„Cottas Grab“:

 

 

 

 

 

 

2. Adam Reum (1780 – 1839)                            

 

Adam Reum kam gemeinsam mit Heinrich Cotta 1811 aus Zillbach nach Tharandt. Er war als Professor für Mathematik, Vermessungskunde und Botanik tätig und übernahm auch sofort die Anlage des Forstbotanischen Gartens. Von Adam Reum habe ich nur wenige Hinweise in Tharandt ausfindig machen können. Er soll aber die Blutbuche am Cottaplatz eigenhändig veredelt haben. Seine Büste steht im Forstbotanischen Garten etwas versteckt.

 

 

 

 

Seine Wohnung befand sich in der heutigen Roßmäßler Straße 4:

 

 

4

 

 

 

 





3. Carl Leberecht Krutzsch (1772 – 1852)                     

 

Carl Leberecht Krutzsch ist seit 1814 Lehrer für Naturwissenschaften an der Akademie. Seine Vorlesungen hielt er in seinem Wohnhaus in der heutigen Heinrich Cotta Straße 11. Er wurde auf dem Tharandter Friedhof beerdigt.

 

    

 

  

 

 

 

 

4.  Friedrich Judeich (1828 – 1894)                          

 

Friedrich Judeich war seit 1866 Akademiedirektor. Er hat durch Verhandlungen erreicht, dass die forstliche Ausbildung in Tharandt verbleiben konnte. Judeich reformiert die Ausbildung grundlegend und passte sie den gesellschaftlichen Erfordernissen an. Unter seiner Leitung errang die Akademie Weltruhm. 

 

Sein 1871 erschienenes Werk „Die Forsteinrichtungen“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt (z.B.: russisch, japanisch, spanisch,…).

 

Seine Büste wurde in jüngster Vergangenheit erneuert und vom „Zuckerplätzchen“ am Neumeisterweg in den Forstbotanischen Garten umgesetzt.

 

 

 

Ein Neubau in der Pienner Straße trägt seinen Namen:

 

 

Im Jahre 1940 wurde sein Grab vom Friedhof Tharandt zum Wettinplatz am Mauerhammerweg verlegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Emil Adolf Roßmäßler (1806 – 1867)                   

Im Jahre 1830 übernahm Roßmäßler die Ausbildung in Zoologie. Nach dem Tode Reums lehrte er auch Botanik. Sein wissenschaftliches Hauptinteresse war auf Weichtiere gerichtet; sein Heft „Inconographie der Land- und Süßwasser-Mollusken“ wurde zum zoologischen Standardwerk.

 

Bis zur Hochwasserkatastrophe im Jahre 2002 war das Gebäude der alten Mensa, es enthielt auch Institutsräume und Werkstätten, nach im benannt. Es musste nach der Flut abgerissen werden.

 

 

Heute trägt der Neubau der Bibliothek in der Pienner Straße 15 seinen Namen.

 

 

 

 

 

Neben diesem Gebäude erinnert auch die Roßmäßlerstraße an diesen bedeutenden Wissenschaftler der Forstakademie.

 

 

 

 

 

 

 

6. Friedrich Nobbe (1830 – 1922)                           

 

Friedrich Nobbe war Professor für Botanik, 1896 richtete er die weltweit erste Samenprüfstelle in Tharandt ein. Sein 1875 herausgegebenes „Handbuch der Samenkunde“ wurde zum Standardwerk. Er führte wissenschaftliche Forschungen über die Pflanzenernährung durch.

 

F. Nobbe war zeitweilig auch Verwalter des Forstbotanischen Gartens.

 

Das ehemalige Institutsgebäude in der Wilsdruffer Straße 18 trägt seinen Namen. Dieses Objekt gehört heute nicht mehr zur TU – Dresden.

 

 

 

 

F. Nobbe ist auf dem Tharandter Friedhof beigesetzt.

 

  

 

 

7. Julius Adolf Stöckhardt (1809 – 1886)                                

 

J. A. Stöckhardt war als Professor für Agrikulturchemie (Ackerbau, Landwirtschaft) tätig. Das 1885 errichtete Laboratorium  in der Pienner Straße 23 erinnert an seine Person (Stöckhardt-Bau).

 

 

 

 

 

Das von ihm errichtete Wohnhaus in der Heinrich–Cotta–Straße, direkt neben der Burgruine:

 

 

 

 

 

Stöckhardt ist auf dem Friedhof in Tharandt beigesetzt.

 

 

 

Er stammt aus Röhrsdorf (ein Ortsteil von Klipphausen). An der Kirchwand erinnert eine Tafel an seine Person.

 

 

 

 

 

 

 

8. Max Robert Pressler (1815 – 1886)                   

 

 

M. Pressler war seit 1840 Mathematikprofessor. Seine Bodenreinertragslehre gehört zu den wesentlichen forstwissenschaftlichen Theorien, die in Tharandt entwickelt wurden.

 

Der von Pressler erfundene  Zuwachsbohrer ist noch heute in Verwendung.

 

Im Forstbotanischen Garten erinnert eine Büste ihn.

 

 

 

 

Sein ehemaliges Wohnhaus in der Roßmäßler Str., jetzt ev.-luth. Pfarramt.

 

 

 

 

 

 

 

8. Gustav Büttner                                            

 

Gustav Büttner erwarb sich als langjähriger Forstgarteninspektor große Verdienste. Im Jahre 1873 hat er als Hilfsgärtner seine Tätigkeit im Forstgarten begonnen. Bereits 1874 legte er dem Akademiedirektor, Prof. Judeich, eine Konzeption zur Entwicklung des Gartens vor.  Er wollte vor allem den Bildungswert der Anlage verbessern. Viele seiner Gedanken wurden in die Praxis umgesetzt.

 

Gustav Büttner wohnte in der Freiberger Straße 8.

 

 

 

 

 

(wird fortgesetzt)

 

 

Literatur:

Wolfgang Heinitz, Tharandter Marginalien 2

Forststadt Tharandt, Heft 2 und Heft 5

Dr. E. Lochmann Die Geschichte der Tharandter Lehr- und Forschungsstätte, Bilder entnommen